Die Herstellung und Entwicklung einer neuen Figurenserie für das Ü-Ei
ist ein langer Weg. Es müssen einige Schritte durchlaufen
werden, damit die Sammler später die neuen Figuren aus den Eiern
pellen können. In der Regel nimmt die Herstellung an die
2 Jahre in Anspruch.
Im Großen und Ganzen ist die Entwicklung einer neuen Serie für
die Ü-Eier in sechs größere Schritte
unterteilt. Zunächst muss natürlich eine Idee her, die dann
mittels Zeichnungen erstmal illustriert werden muss. Je nach dem, ob es
sich dabei um Lizenzfiguren handelt, müssen die Figuren danach vom
Lizenzinhaber abgesegnet werden. Daraufhin werden die Figuren in einem
größeren Format hergestellt, um diese zu präsentieren.
Nach einer endgültigen Überprüfung, die gegebenfalls Änderungen
nach sich zieht, werden dann die kleinen Figuren in Auftrag gegeben.
Schritt 1: die Idee
Natürlich entsteht keine
neue Serie ohne eine Idee für die selbige. Die Ideen kommen
den Designern von Ferrero ganz unterschiedlich. Ideen können
in Teamarbeit, also geplant entstehen. Aber es
können auch spontane Einfälle kommen,
die dann umgesetzt werden. So kam Horst Mann, dem Leiter Abteilung
für Spielzeugentwicklung bei Ferrero, die Idee für die
Hippos z.B. als er in Taiwan an einer großen Hippo-Statue
vorbeilief. In China sah Horst Mann eine Frau
die einen Fisch in der einen und ein Handy in der anderen Hand
hielt. Welche Figur das wurde, dürften die meisten wissen.
Oft wird den Designern per Zufall geholfen. Als
Horst Mann z.B. einmal auf einer Messe von Lizenzgebern war, sah
er das Schlager-Duo Marianne und Michael und prompt kam ihm die
Idee für die Top Ten Teddies.
Ideen
muss man haben!
Schritt 2: die Zeichnungen
Um dann herauszufinden, wie gut sich die Idee umsetzen lässt und
ob die Charaktere gut wirken, werden im zweiten Schritt
Zeichnungen der einzelnen Figuren erstellt. Hier wird jede Figur von
Hand gezeichnet und mit genauen Beschreibungen versehen. Es wird
jede Farbe mittels eines Codes verzeichnet, sodass ein genaues Bild der
Figuren entsteht. In diese Zeichnungen werden ggf. auch Funktionen
der jeweiligen Figuren eingezeichnet (z.B. steckbar ...). Neben den Zeichnungen,
die mit Infos bestückt sind, erhält jede Figur auch einen
kleinen Steckbrief, in dem nochmal alle Infos wie Farben, Funktion
... erfasst sind.
Ein ganz wichtiges Detail, welches sowohl in den Zeichnungen
als auch in den Steckbriefen festgehalten wird, sind die
Abmessungen. Man muss bedenken, dass in einer Ei-Kapsel
nicht unendlich viel Platz zur Verfügung steht. Aus diesem
Grund müssen die Maße dementsprechend klein gehalten
werden. Trotzdem dürfen die Details dabei
nicht auf der Strecke bleiben.
jede
Zeichnung von Hand
Schritt 3: die Lizenz
Dieser dritte Schritt ist natürlich optional, da
nicht jede Serie eine Lizenzserie ist. Trotzdem gehört er in den
letzten Jahren immer öfter zur Entwicklung einer neuen Serie.
Sofern also eine Serie wie das Hipperium oder Herr der Ringe in Planung
ist, muss erst einmal eine Lizenz gekauft werden und
dann die Figuren vom Lizenzinhaber abgesegnet werden. Um Lizenzen zu kaufen,
besucht man Messen, wo Lizenzinhaber ihre Lizenz anbieten. Bei neuen Kinofilmen
sind dort oft die jeweiligen Lizenzinhaber anwesend, weil sich damit durchaus
lukraitve Geschäfte machen lassen. Dort tritt dann Horst Mann als
Leiter der Spielzeugentwicklungsabteilung an die jeweiligen Inhaber heran.
Nach einer groben Einigung werden die Zeichnungen
und die weiteren Vorstellungen der Serie präsentiert,
sodass die Lizenzinhaber einen Eindruck davon gewinnen, was eigentlich
gemacht werden und wofür letztendlich der Name herhalten
soll.
Sofern die Zeichnungen die Prüfung der Lizenzinhaber
nicht überstehen, müssen Änderungen vorgenommen
werden. Bei Herr der Ringe z.B. musste jeder Schauspieler seine
Figur absegnen.
Bei Lizenzserien muss jede kleinste Änderung
mit dem Lizenzinhaber abgesprochen werden. Dies erfolgt heutezutage
per E-Mail, da dies wohl der schnellste Weg ist.
Mittels
dieser Papiere werden die Vorstellungen ausgetauscht.
Schritt 4: die Präsentationsversionen
Nachdem unter Umständen eine Einigung mit dem Lizenzinhaber zustande
gekommen ist oder die Designer mit ihren eigenen Kreationen zufrieden
sind, werden Prototypen hergestellt. Diese Prototypen
dienen dazu, die einzelnen Figuren besser präsentieren zu können,
da Details leichter zu erkennen sind.
Die Prototypen sind vor allem
bei Lizenzserien sehr wichtig, da sie zum Erfolg
der Präsentation beim Lizenzinhaber beitragen. Hier können
die Lizenzinhaber, ähnlich wie beim vorigen Schritt, Eigenschaften
der einzelnen Figuren kritisieren und eine Änderung
anordnen.
8
mal Hipperium in groß und klein
Die großen Figuren werden nach der Produktion der Serie wohl vernichtet,
da es bisher nur diese Exemplare, die rechts zu sehen sind, an die Öffentlichkeit
geschafft haben.
eine
Gussform für einen großen Hippo-Prototyp von 1989
drei
große Prototypen der Happy Hippos
Schritt 5: die endgültigen Änderungen
Nachdem die Präsentation erfolgreich abgelaufen ist, werden die letzten
Änderungswünsche der Lizenzinhaber nun umgesetzt. Hier
werden meist kleine Details wie länge der Haare und ein Feinschliff
an der Form der Figuren durchgeführt. An dieser Stelle erfolg auch
die endgültige Absegnung der Lizenzinhaber. Sollte
diese nicht erfolgen, kann es erneut zu Schritt 4 kommen, sodass neue,
andere große Figuren erstellt werden, die dann vielleicht
andere Farben oder Formen aufweisen.
Schritt 6: die Produktion
Die Produktion stellt den letzten
Schritt in der Entwicklung einer neuen Serie dar und wahrscheinlich
auch den wichtigsten. Für die Produktion müssen verschiedene
Formen erstellt werden, um die Figuren in der Massenproduktion
gießen zu können. Die Figuren werden in der Regel nicht
an einem Stück gegossen. Meist besteht die Figur aus ca.
zwei Teilen, die dann im Nachhinein geklebt werden. Auch
für das ggf. vorhandene Zubehör werden Formen angefertigt.
Die
links abgebildeten Elemente kommen aus der Gussform rechts.
Bei der Produktion wird auch nicht sofort voll losgelegt. Hier wird zunächst
eine kleinere Anzahl an Figuren produziert, sodass die
Erscheinung der kleinen überprüft werden kann. Hier werden dann
unter Umständen nochmal Form oder Farbe der Rohlinge
geändert. Dies ist auch der Grund für so manch wertvolle Variante,
die es nur in sehr geringer Stückzahl gibt. Weiterhin kommen so auch
die verschiedenfarbigen Rohlinge zustande. Wenn sich
herausstellt, dass eine hellere Rohlingfarbe besser für die spätere
Bemalung ist, wird gewechselt, denn diese "nicht perfekten"
Exemplare werden manchmal auch mit in die Eier gepackt.
Letztendlich werden die Figuren dann noch von Hand bemalt und
in die Kapseln gepackt.
Die Schritte eins bis fünf finden alle hier in Deutschland
statt - genauer gesagt im frankfurter Sitz von Ferrero. Der sechste Schritt
hingehen wird in Asien durchgeführt, da die Arbeitskräfte
dort deutlich billiger sind. Schließlich kommen die eingepackten
Figuren wieder nach Deutschland, wo sie in Stadtallendorf ihren
Schokomantel bekommen.
Zum Schluss sei noch gesagt, dass die Verfahrensweise zur Herstellung
einer neuen Serie, die in diesem Artikel dargestellt wird, nicht
zu hundert Prozent verifiziert werden kann. Sollte jemand mehr
wissen, kann er sich ja melden.