Es begann damit, dass meine frisch gekauften vier Järna
Vitrinen von IKEA schon wieder vollgestellt waren. Der Kauf war vielleicht
drei Monate her und schon wieder herrschte bei mir Platzmangel.
Aus diesem Grund konnten neuere Serien schon keinen Platz mehr hinter
Glas bekommen, sondern mussten "unehrenhaft" in einer 10er Box
unterkommen - dieses Schicksal müssen sonst nur
Dubletten erleiden.
Somit brauchte ich neue Stellfläche. Ich wollte aber nicht noch mehr
Järnas von IKEA kaufen und Bertbys hatte ich ebenfalls schon zwei
Stück an der Wand hängen. Es musste also etwas Neues
her. Ich hatte schon des Öfteren mit dem Gedanken gespielt, mir einen
eigenen Setzkasten zu bauen. Diesen Gedanken habe ich jedoch immer verworfen.
Dies aus verschiedenen Gründen. Zum einen wusste ich nicht, wie ich
den Setzkasten verschließen sollte und zum anderen
sind die Kosten für einen Setzkasten Marke Eigenbau
stets höher, als die Kosten für die gekaufte Version. Somit
war ich bis dahin bei meinen Fertigvitrinen geblieben.
Dies sollte sich jedoch nun ändern. Ich war z.Z. flüssig und
voller Ergeiz, einen eigenen Setzkasten zu bauen. Dem zu Folge machte
ich mir die ersten Gedanken über den neuen Setzkasten. Er sollte
anders sein als die Vitrinen. Hier sollten die Figuren nebeneinander
stehen, sodass man alle Figuren sofort erkennen konnte - es musste
also nicht in die Tiefe, sondern in die Breite und in die Höhe gebaut
werden. Die ersten Maße, die ich vor Augen hatte und später
auch umgesetzt wurden, waren 150 cm x 100 cm. Und für
den Staub hatte ich mir auch etwas überlegt. Der Kasten sollte in
zwei Teile aufgeteilt werden, vor denen jeweils eine Glastür
zu hängen hatte.
Dadurch, dass ich den Setzkasten ja selber bauen würde, konnte ich
ihn auch an meine Bedürfnisse anpassen. Da der Setzkasten
die schönste Unterkunft für meine Figuren werden würde
(ich war sehr optimistisch), sollten dort auch die schönsten Figuren
ihren Platz finden. Somit entschloss ich mich, dort die ersten 40
Serien unterzubringen. Aufgrund Figuren wie Marino und Schorschi
Schlichter wählte ich eine Fachhöhe von 8,3 cm. Ich hatte mir
auch überlegt, verschiedene Fachhöhen zu nehmen. Diesen Gedanken
verwarf ich jedoch aufgrund der darunter leidenden Optik.
Es sollte schon ein gewisse Einheit zu sehen sein.
Nach eifriger Planung und etlichen Skizzen
ging es dann ans Werk. Zunächst musste das Grundgestell angefertigt
werden. Dafür waren fünf Latten notwendig - die obere und untere
Begrenzung, der rechte und linke Rahmen und die Trennung in der Mitte.
Bevor man diese Latten jedoch ohne nachzudenken mit einander verbindet,
was man übrigens sehr gut mit Holzdübeln machen kann, sollte
man sich über weitere Schritte Gedanken machen, die mit diesen Hölzern
noch zu erledigen sind. Überhaupt sollte man bei einem solchen Projekt
immer zwei Schritte vorausdenken, um nicht einen nächsten
Schritt zu machen und einen wichtigen anderen zu übersehen. In diesem
Fall waren es die Löcher für die Bodenträger, die noch
gebort werden mussten. Desweiteren mussten an den senkrechten Latten jeweils
an der Rückseite noch Vertiefungen für die spätere Wandaufhängung
gefräst werden. Außerdem musste bei der rechten und linken
Latte noch ein Teil weggefräst werden, wo später das Klavierband
eingelassen werden konnte.
Nach Bearbeitung dieser Schritte konnte das Grundgerüst des Setzkastens
nun zusammengebaut werden. Dabei bin ich auf ein enormes Problem gestoßen,
das aus der Größe dieses Kastens resultierte. Irgendwie musste
dieses große Viereck ja gepresst werden, solange der Holzleim noch
nich getrocknet war. Des Rätsels Lösung war letztendlich, dass
das Gerüst auf einen Tisch gestellt wurde und mittels mehrerer Keile
zwischen Tisch und Zimmerdecke gepresst wurde.
Die einzelnen Schritte lesen sich hier wahrscheinlich relativ einfach.
Das hört sich jedoch alles einfacher an, als es in der Tat ist. Dieses
Grundgerüst musste ich ganze dreimal anfertigen, bis es meinen Anforderungen
genügte. Einmal waren die Borlöcher für die Bodenträger
falsch gebort und wieder ein anderes mal war der Mittelsteg falsch angesetzt,
sodass ich dann zwei verschieden große Fächer hatte. Das Schlimmste
ist, dass man sowas immer dann bemerkt, wenn zu spät ist.
So habe ich es immer dann gemerkt, wenn ich den letzten Keil unter die
Decker gehauen hatte. Und ihr wisst ja gar nicht, wie schnell dieser Holzleim
dann aushärtet, wenn er mal nicht schnell aushärten soll. Aus
diesem Grund konnte ich das Holz auch nicht wiederverwenden und musste
neues kaufen.
Naja, beim dritten Versuch hat dann schließlich alles geklappt und
es war nichts mehr falsch gebort oder falsch eingesetzt. Alles
stimmte. Wurde ja auch langsam Zeit.
Ein weiterer Unterschied zu den Vitrinen sollte eine Rückwand
sein. Der Setzkasten sollte nicht wie die Vitrinen nach hinten offen sein,
sondern als geschlossener Kasten an der Wand hängen. Hier war mir
jedoch eine herkömmliche weiße Hartfaserplatte zu langweilig.
Ein Spiegel war jedoch zu teuer, somit musste eine einfallsreiche aber
dennoch einigermaßen günstige Lösung her. Dann kam ich
auf das Ü-Ei-Muster mit der weißen herunterlaufenden
Schokolade. So habe ich dann die weiße Hartfaserplatte mit dem rot-weißen
Muster bemalt, was dem ganzen Setzkasten nochmal ein wenig Ü-Ei-Style
verleiht.
das Grundgerüst
inkl. montierter Rückwand
Nachdem das Grundgerüst fertiggestellt war, stand nun der schwierige
Teil an. Die Türen, die aus mit Holz eingerahmten Glas
bestehen sollten, waren dran. Zunächst einmal mussten Preise verglichen
werden. Ihr glaubt ja gar nicht, wie viele verschiedene Glaser es bei
uns gibt. Naja, letztendlich war der günstige Glaser anscheinend
auch der freundlichste, denn die Beratung war sehr gut.
Dann stand das nächste Problem an. Wie sollte das Holz mit dem Glas
verbunden werden. Das habe ich mir dann bei der IKEA Vitrine Bertby abgeschaut.
Es ist also doch gut, solche Exemplare im Haus zu haben. In die Rahmenhölzer
der einzelnen Türen wurden dann Nuten gefräst,
in die das Glas dann eingelassen wurde. Die Hölzer wurden dann mit
Winkeln verbunden, dass auch nichts rausfällt, denn so eine Glasplatte
75 cm x 90 cm wiegt doch einiges. Die Hölzer wurden auf Gehrung
gesägt, sodass nach Zusammensetzen ein schönes Bild entsteht.
Die geschnittenen Latten lassen sich am besten auf das Glas stecken, indem
man die Glasplatte auf einen Teppisch legt, der widerum mit einigen Latten
leicht erhöht ist. So hat man sich eine angenehme Arbeitshöhe
geschaffen und die Arbeit geht leichter von der Hand.
Montage
einer Glastür
Gerüst
mit einer vorgestellten Tür
Nun sind die drei wichtigsten Komponenten fertig. Die beiden Glastüren
und das Grundgerüst, welches den Rahmen des Kastens bildet. Wie oben
bereits angesprochen habe ich daraufhin die Türen mittels
zwei Klavierbändern am Setzkasten befestigt. Am Anfang hatte
ich noch ein wenig Bedenken, dass die Klavierbänder die Türen
auch halten würden, aber mittlerweile habe ich Vertrauen gewonnen,
da bisher noch nichts passiert ist. Beim Befestigen der Türen am
Setzkasten sollte man auch unbedingt darauf achten, dass die Türen
in der Waage hängen, da dies sonst optisch keinen
guten Eindruck macht.
Was die Böden angeht, so habe ich 1,1 cm starke Holzlatten
gewählt, da diese optisch gut in den Gesamtrahmen passen und sich
auch nicht so leicht durchbiegen. Dünnere Latten können auf
der Breite von 75 cm schon mal leicht biegen. Dieses Problem ist mit den
1,1 cm gebannt.
Um das Ganze an der Wand zu befestigen kann man zwar den drei Aufhängungen
an der Rückseite des Kastens vertrauen, sollte aber lieber auf Nummer
sicher gehen und eine dickere Holzlatte unter den Setzkasten
schrauben. Die ist nicht notwendig, aufgrund des doch beachtlichen Gewichts
sollte man jedoch nicht auf diese Stützlatte verzichten. Sicher
ist sicher!
das Endergebnis:
oben mit geöffneten und unten mit geschlossenen Türen
Letztendlich kann man sagen, dass so eine Eigenkreation zwar meist
mehr Geld kostet, als wenn man sich einen fertigen Setzkasten
oder eine fertige Vitrine kauft, man jedoch nach vollbrachtem Werk sehr
stolz auf seine Arbeit sein kann und das Befüllen mit den
eigenen Figuren noch mehr Spaß macht.
Dieser Artikel ist bewusst nicht als einfache Bauanleitung verfasst. Er
soll auf Probleme und Hindernisse beim Bau eines eigenen
Setzkastens hinweisen. Ich denke, dass jeder, der einen eigenen Setzkasten
bauen möchte, selbst Skizzen zeichen und Entwürfe machen sollte.
Eins sollte man jedoch immer im Hinterkopf haben. Bevor man den nächsten
Schritt macht, sollte man stets darüber nachdenken, was man
alles vergessen kann.
Übrigens lagen die letztendlichen Kosten für den kompletten
Setzkasten bestehend aus Holz, Glas und dem ganzen Zubehör wie Bodenträger,
Klavierbänder und Co. bei rund 130 Euro.
Natürlich gebe ich gerne Tipps, wenn jemand einen eigenen Setzkasten
bauen möchte und hier und da auf Fragen stößt. Viel
Erfolg beim Eigenbau!