Mit Lizenzserien wurde das Ü-Ei
bekannt. In den Anfangsjahren vom Ü-Ei fand man ausschließlich
Figuren, die mittels Lizenzen erkauft wurden, in den gelben Kapseln. Ganz
zu Beginn waren die Figuren sogar komplett von anderen Herstellern und
auch nicht von Ferrero produziert. Als die Hartplastikfiguren dann 1983,
also Sonderserien, eingeführt wurden, wurde zunächst einmal
voll und ganz auf das Konzept Lizenzfiguren gesetzt. So stehen am Anfang
die bekannten Sätze der Schlümpfe, des Pumuckls, der Biene Maja,
des Dschungelbuchs und die anderer Lizenzinhaber, in erster Linie Disney.
Ferrero machte sich also den Erfolg anderer, nämlich den Erfolg der
Lizenzinhaber, zu Nutzen. Dies geschah dadurch, dass jeder, der eine Ü-Ei-Palette
sah, einen Aufdruck mit etwas Bekanntem zu sehen bekam. Den Konsumenten
bereits bekannte Marken und Namen unterstützten also das Ü-Ei
auf seinem Erfolgskurs zum Sammlerboom. Jeder kannte die Biene Maja oder
die Familie Duck mit Dagobert, Donald und Co. und somit wussten die potentiellen
Käufer sofort etwas mit dem kleinen ovalen Ding anzufangen.
Auch wenn die Hippos die eigentlichen Markenzeichen des Überraschungseis
darstellen, so gehören Lizenzserien schlicht und ergreifend zum Ü-Ei
dazu. Es hat mit Lizenzserien angefangen und es wird immer wieder mit
Lizenzserien fortgesetzt werden.
Der Boom kommt mit den eigenen Kreationen
In den 90er Jahren zügelte sich Ferrero sehr stark mit den Lizenzserien.
Die Menschen waren an das Objekt Ü-Ei herangeführt worden, das
Produkt war weltweit bekannt und nun kamen eigene Kreationen daher. Happy
Hippos, Peppy Pingos, Crazy Krokos und Dapsy Dinos heißen sie und
bescherten Ferrero eine ertragreiche Zeit. Und damit kam dann auch der
eigentliche Boom. Der Weg dorthin wurde zwar mittels der Lizenzserien
gepflastert, der eigentliche Auslöser waren jedoch die kreativen
eigenen Figurenserien von Ferrero, die sowohl Sammlern als auch Nichtsammlern
wunderbar gefielen.
Den Sammlern gefiel, was sie im Ü-Ei fanden und mit der Zeit entwickelte
sich ein typischer Charakter für eine Ü-Ei-Figur. Eine lustige
Szene sollte sie darstellen und einen Namen haben, der den Betrachter
zum Schmunzeln bringt. Darüber hinaus kristallisierten sich spezielle
Proportionen für die Figuren heraus. So waren die Figuren stets etwas
rundlicher und wirkten somit auf süße und ansprechende Art
und Weise auf den Sammler und Nichtsammler. Fast als ein bisschen kitschig
könnte man diese typischen Merkmale einer Ü-Ei-Figur beschreiben.
Das wichtige war jedoch: Es gefiel den Sammlern und gefällt ihnen
heute noch.
Der ersten Lizenzserien zeigten schon alle typischen Merkmale
Rückwirkend betrachtet fällt auf, dass die Lizenzserien zum
größten Teil diese Bedingungen auch schon erfüllten. Sie
wurden von Ferrero auf genau diese Art und Weise gefertigt. So kommen
die Schlümpfe und die Pumucklfiguren in reinlicher Ü-Ei-Figuren-Manier
daher. Daraus kann man weiterdenkend den Schluss ziehen, dass die Lizenzserien
der anfänglichen Ü-Ei-Zeit keineswegs nur wegen der Tatsache,
dass sie eben Lizenzserien waren, so gern gesammelt wurden, sondern weil
eine Kombination von beiden Kriterien in den Lizenzfiguren vereint war.
Man hatte mit Balu vom Dschungelbuch sowohl die Figur einer Lizenzserie,
als auch eine typische Ü-Ei-Figur.
Lizenzserie bedeutet nicht mehr sicheren Erfolg
Jedoch löst eine Lizenzserie nicht zu 100% einen Boom aus. Nicht
jede Serie, die mit einem teuer erkauften Lizenznamen betitelt ist, gefällt
den Sammlern. Das beste Beispiel dafür ist die Entwicklung der Haltung
gegenüber den Lizenzserien der Sammler in den letzten Jahren. Ferrero
scheint nach dem Ausflug in die eigenen Kreationen, die die 90er Jahre
dominierten, wieder zu den Lizenzserien zurückzufinden. Man hat nach
Herr der Ringe wohl bemerkt, wie sehr es den Umsatz steigert, wenn eine
Serie den Sammlern gefällt und dadurch neue Menschen zu Sammlergemeine
hinzustoßen. Aus diesem Grund setzt Ferrero nun auf das Pferd der
Lizenzfiguren. Mehr Umsatz und noch mehr Gewinn sind zu verlockend, um
am alten, sich bewehrten Prinzip festzuhalten. Irgendwo haben die Macher
bei Ferrero ja recht. Es muss mit der Zeit gegangen werden. Doch gleich
solche Radikalen Veränderungen gefallen doch niemandem - vor allem
nicht den Sammlern.
Gegen die neusten Lizenzfiguren ist unter den Sammlern ganz klar eine
Abneigungen festzustellen. Sicherlich gibt es auch Freunde der neuen Lizenzserien.
Dies scheint jedoch eine Minderheit zu sein. Fast alle Stimmen geben der
These recht, dass die Lizenzfiguren nicht mehr das sind, was das Ü-Ei
einmal zu dem gemacht hat, was es heute ist. Es ist also zu hoffen, dass
die Lizenzserien, die das Ü-Ei zum Verkaufsschlager gemacht haben,
ihm diesen Status nicht wieder abnehmen. Zumindest bei den Sammlern gehen
die Einkaufszahlen bei den aktuellen Lizenzserien deutlich zurück.
Bei den Nichtsammlern mag dies anders sein, dies soll in diesem Artikel
jedoch nicht erörtert werden.
Erfolg der
verschiedenen Serien - die Kurve geht deutlich nach unten
Fehlender Flair verursacht Abneigung gegen neue Lizenzserien
Die Ideen, die Ferrero hat sind sehr gut. Die Umsetzung jedoch lässt
zu Wünschen übrig. So haben sich zu dem Zeitpunkt, als der Polarexpress
angekündigt wurde, sehr viele Sammler über die neue Lizenzserie
gefreut. Eben aus den alt bekannten Gründen. Lizenzserie wurde mit
Boom und vor allem Wertsteigerung gleichgesetzt. Als dann jedoch die ersten
Bilder der Figuren den Weg in die Öffentlichkeit fanden, war es bei
vielen vorbei mit der Euphorie. Die Figuren gefielen den Sammlern einfach
nicht mehr. Der typische Charakter eine Ü-Ei-Figur war bei den meisten
neuen Lizenzfiguren schlichtweg nicht mehr vorhanden. Der Flair, der für
die meisten Sammler den Charme einer Figur ausmacht, fehlt bei den neuen
Figuren. Das gleiche auch bei den Unglaublichen, die als Film sehr erfolgreich
und als Idee für das Ü-Ei auch sehr gut waren. Die Umsetzungen,
also dürre Figuren mit zu viel Zubehör ins Ü-Ei zu packen,
war hingegen nicht besonders gelungen. Darauf folgt nun die wohl umstrittenste
Serie, die jemals auf das Ü-Ei zukam - Spongebob Schwammkopf. Über
kein Gerücht traten so viele negative Meinungen ans Licht, wie zu
dem Bewohner von Bikini Bottom. "Der passt nicht ins Ü-Ei!"
"Schon wieder so eine schlimme Lizenzserie!". So oder so ähnlich
wurden die positiven Reaktionen bei weitem übertönt.
Rückkehr zum alten Erfolgskonzept
Die Sammler wünschen sich, dass Ferrero wieder zu den guten alten
Hippos, Pingos und Dinos zurückfindet. Dies ist ganz einfach zu erklären:
Alle Faktoren, die die Lizenzserie einst zu etwas Besonderem gemacht haben,
sind nicht mehr vorhanden. Die Tatsache, dass es sich um eine Lizenzserie
handelt, also eine Wertsteigerung zu erwarten ist, ist nicht mehr gegeben.
Darüber hinaus entsprechen die neuen Figuren nicht mehr dem geliebten
Stil der typischen Ü-Ei-Figur. Man kann sagen, dass die Sammler der
Meinung sind, dass die neuen Figuren einfach nicht ins Ü-Ei passen.
Jeder verbindet mit dem Überraschungsei kleine niedliche Figuren.
Jedoch keine dürren Figuren, die schon mehr einem Bausatz ähnelt,
als der Hartplastikfigur einer Sonderserie.
Es geht auch erfolgreich
So wird das Paradabeispiel einer Lizenzserie leider mit den aktuellen
Lizenzserien schlechter gemacht, als es eigentlich ist. Wir haben doch
gesehen, was für tolle Figuren Ferrero mit Lizenzen machen kann.
Zwar waren die Figuren zu Herr der Ringe anfangs auch gewöhnungsbedürftig,
man gewöhnte sich jedoch daran und es half dem Sammelgebiet der Ü-Eier.
Mit Hilfe der Figuren zu Herr der Ringe fanden viele neue Sammler den
Weg zu kleinen Figuren aus Plastik. Die drei Lizenzserien waren auch richtige
Lizenzserien, die sowohl für Ferrero, als auch für die Sammler
das brachten, was man sich erhoffte. Für Ferrero, hohe Umsätze
und Gewinne und für die Sammler schöne Figuren und Wertsteigerung.
Der Zeitgeist hat sich grundlegend geändert
Man kann also festhalten, dass sich die Lizenzserien bei den Sammlern
langsam aber sicher zu Ladenhütern entwickeln. Ferrero scheint die
hohen Anforderungen, die man sich im Laufe der Jahre auferlegt hat, nicht
mehr erfüllen zu können. Der Zeitgeist, die Haltung der Sammler
zu den Lizenzserien, hat sich grundlegend geändert. Nun werden keine
Lizenzserien mehr herbeigesehnt, sondern die guten alten Hippos oder Pingos.
Fragt sich, ob Ferrero dies irgendwann bemerken und darauf eingehen wird.
Fest steht jedoch: Einen Satz braucht der Sammler von jeder Serie, egal
wie gut oder schlecht sie einen ansprechen mag!