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  Artikel - Allgemeines - Millionengeschäft mit Bingo-Birds & Co.
Heutzutage weiß jeder normale Mensch über die verrückten Sammler von Figuren aus dem Ü-Ei bescheid. Aus diesem Grund wittert der Otto-Normal-Verbraucher in jedem Objekt, das mal ein Ü-Ei von innen gesehen hat, ein immenses Geschäft. Sei es ein Hippo oder ein besonders ansprechender Bausatz, der Nichtsammler sieht nicht die Überraschung an sich, sondern den Wert, der angeblich dahintersteckt. Und als würde es nicht reichen, dass manche Leute schon in Hippos und Pinguinen Millionen-Geschäfte sehen, nun kristallisiert sich immer mehr das Alter einer Figur zum Indikator für den Wert heraus. So berichten die Leute, die ihre Ü-Ei-Inhalte loswerden wollen, stets sehr beeindruckt, dass sie zu Hause noch kistenweise 10 Jahre alte Figuren herumliegen haben. Die erste Reaktion auf solche Anmerkung ist immer die Nachfrage, was es denn für Figuren seien. Hier wird schnell klar, dass es sich um falschen Alarm handelt. Da werden dem Sammler dann die so hoch eingeschätzten Hippos präsentiert. Merkt der engagierte Verkäufer, dass dies den Sammler nicht besonders beeindruckt, werden die Zwerge hinhergeschoben. Da die Zwerge jedoch auch nicht die nötige Größe besitzen, dem Verkäufer zu einem Geldregen zu verhelfen, wird verägert das Feld geräumt.

Die Vorstellung über die Werte von Ü-Eier-Figuren sind bei Nichtsammlern schlichtweg falsch. Die meisten haben hier und da mal gehört, dass Sammler für Figuren bis zu 1000 Euro ausgeben und wittern in ihren Staubfängern gleich den angesprochenen Geldregen. Fakt ist jedoch, dass die Figuren, die die Leute haben, genau die Figuren sind, die für den einigermaßen fortgeschrittenen Sammler von keinerlei Interesse sind. Die Figuren aus den Anfangsjahren des Ü-Eis wurden zum einen in sehr niedrigen Auflagen produziert und zum anderen gab es zu dieser Zeit einfach noch sehr weniger Leute, die die Inhalte der Eier bewusst gesammelt haben. Dieses bewusste Aufheben der Figuren kam erst mit dem Boom, den das Ü-Ei Anfang der 90er erlebte. Der erste Katalog kam auf den Markt und immer mehr Leute bekamen Wind von den Werten, die hinter den kleinen Plastikfiguren stecken. Das Resultat war, dass nun jeder die Figuren aufhob, die er aus seinem wöchentlichen Ü-Ei fischte. Und genau so ist das Phänomen der Massenfiguren zu erklären. Dadurch, dass jeder auf die Wertsteigerung spekulierte, wurden die Figuren gehortet. Somit waren die Figuren ab diesem Zeitpunkt immer in sättigenden Mengen vorhanden.

Dieser Irrglaube ist in seinem ganzen Ausmaße auf den Flohmärkten zu beobachten. Es kauft nunmal jede Familie ab und an ein Ü-Ei und somit hat auch jede Familie mehr oder weniger viele Ü-Ei-Figuren zu Hause. Meist wird mit diesen Sachen gespielt und die Figuren sind in einem dem entsprechend schlechten Zustand. Sind die Kinder dann aus dem Alter heraus, in dem man mit den Figuren aus Ü-Eiern spielt, kommen die Figuren zusammen mit dem Skateboard und dem Lego auf den Flohmarkt.
das Schnäppchen schlechthin
Hier stehen dann oft die Eltern, die mit ihrem Halbwissen über das Ü-Ei und ihre Figuren viel Geld einnehmen wollen. So kommt es dazu, dass Figuren von den Bingo-Birds oder von der Kroko-Schule für 3 Euro angeboten werden und man nicht mal bereit ist im Preis herunterzugehen. Und wenn man diesen netten Verkäufern dann klarzumachen versucht, dass normalerweise der komplette Satz von Händlern oder allgemein im Internet für diesen Preis oder noch weniger verkauft wird, schauen die Verkäufer dumm aus der Wäsche. Oft entbrennt dann auch eine Diskussion, in der der Verkäufer zu retten versucht, was zu retten ist. Es kommen die angesprochenen Argumente, mit denen die Verkäufer meinen, den Sammler beeindrucken zu können: "Diese Figur ist 10 Jahre alt und Sie wollen mir nur 50 Cent geben?" Gelegentlich kommen dann auch die 1000 Euro ins Spiel: "Es gibt Sammler die zahlen für Figuren bis zu 1000 Euro und diese hier soll nur 50 Cent wert sein?" In der Regel schafft man es bei diesen Leuten nicht, sich zu einigen und landet schließlich an den Ständen der Menschen, die einen Katalog dabei haben.

Es scheint mittlerweile zu einem beliebten Sport unter Flohmarktverkäufern zu sein, Sammler zu erkennen. Den Verkäufern entgeht nicht das kleinste Detail, welches einen Menschen als Sammler entlarvt. Da wird nach Katalogen Ausschau gehalten und hier interpretiert man das Verhalten beim Analysieren der Figuren. Es ist tötlich für einen Sammler, wenn er als selbiger erkennt wird. Die Preise, die Verkäufer für Sammler und Nichtsammler machen, liegen um Welten auseinander. Auch das Alter der Sammler, von dem die Erfahrung und die Tiefe Brieftasche abgeleitet werden, bestimmt den Preis. Wenn ein Kind an einen Stand kommt und nach Ü-Eier-Figuren sowie den Preisen fragt, sind die Verkäufer in der Regel sehr freundlich, weil kein Sammler gewittert wird. Kommen ältere Leute an den Stand schießen die Preise regelrecht in die Höhe. Das ist übrigens mit ein Grund dafür, dass viele Verkäufer bei Figuren aus dem Ei keine Preisschilder oder sonstige Beschriftungen anbringen. Der Preis muss variieren können - je nach dem, wer kaufen möchte.

Man stellt als Sammler also immer mehr fest, welch falsches Bild die Leute von den Werten der Figuren haben und davon, wie diese zustande kommen. In der Regel gelingt es dem Sammler nichtmal mit stichhaltiger Argumentation, die Wucherpreise zu regulieren. Die Verkäufer versuchen, mit Halbwissen über Ü-Ei-Figuren zu prahlen und schießen damit meist ein Eigentor, denn
Die Million steckt nicht im Ei.
so kauft keiner bei ihnen. Das Alter der Figuren wird immer mehr überbewertet und Kataloge werden dazu missbraucht, um den Sammlern zu signalisieren, dass hier jemand sitzt, der Ahnung von der Materie hat. Doch auch dies geht meist nach hinten los, denn durch solche Merkmale wird der Sammler verscheucht, der ohnehin versuchen sollte, beim Ü-Einkauf nicht als Sammler erkannt zu werden. Die Preispolitik und der Versuch, mit Figuren zu wirtschaften, macht den Spaß, Schnäppchen auf Flohmärkten zu finden, für Sammler immer mehr zu Nichte.
Doch es gibt Hoffnung. Vielleicht merken die Verkäufer in ferner Zukunft, dass die Werte der Ü-Eier-Figuren immer mehr in den Keller sinken und die Chance auf die Million nicht (mehr) im Ü-Ei steckt. Außerdem gibt es auch noch die Leute, die ihre Figuren schlichtweg loswerden wollen - danach müssen wir suchen!


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